Liebe Gentechnikgegner, willkommen im Terroristenlager!

6. Mai 2008 at 07:28 (Medizin & Forschung, Umwelt & Klima) (, , , , , )

Dass sich das Feld des Terrorismus wunderbar auf alle möglichen regime- und systemkritische Bewegungen ausweiten lässt, erfahren wir nun immer häufiger. Langsam bekommt der Begriff auch in europäischen Gefilden Inflationären Charakter.
Nun klassifiziert Europol Gentechnikgegner laut Telepolis offiziell als Terrorismusverdächtige. Portugiesische Aktivisten hatten in der Aktion „Movimento Verde Eufemia“ ein Genmaisfeld besetzt und fanden sich ganz schnell auf der schwarzen Liste wieder. Portugal hatte 2004 auf Druck seitens der „guten“ alten WTO (Welthandelsorganisation) Genmaisanbau im eigenen Land erlaubt.

Stoppt Genmais


„Wir hatten vor der Feldbefreiung Pressemitteilungen verschickt, die jedoch nicht beachtet wurden“, berichtet Baptista. Anschließend war plötzlich die Medienaufmerksamkeit da. Der Präsident verurteilte die „kriminelle Handlung“ persönlich. Die Presse stimmte ein. „In den nächsten Wochen war ich ständig unterwegs zu Presseterminen, um unseren Standpunkt deutlich zu machen“, so Baptista. Dennoch [extern] warnte die Zeitung Diario de Noticias vor Gentechnikgegnern als „nichtidentifizierten Extremisten“.

„Die Ökofaschisten sind unter uns“, [extern] alarmierte der Expresso, eine der größten Tageszeitungen. Als „Terror“ bezeichnete auch der rechtskonservative [extern] Semanario den Vorfall in Silves und wollte eine bestochene Handlung darin erkennen, für die der linke Parteiblock „Esquerda“ verantwortlich wäre.

Über die Terrorismus-Anschuldigung durch die Europol meint Richter Wilfried Hamm, Bundesvorstand der Neuen Richtervereinigung in Deutschland: „Der Vorwurf ist absurd. Unbestreitbar bringen Feldbefreiungen wie diese zwar ein Eigentumsdelikt mit sich – doch somit wäre der erfolgte Fall ein strafrechtlicher, und nichts weiter.“ Mit dem Terrorvorwurf, der „ja gegenwärtig immer mehr ausgedehnt wird“, hätten Regierende die Möglichkeit, präventiv gegen unerwünschte Akteure vorzugehen. Hamm sieht sich in diesem Zusammenhang an die Kriminalisierungen von G 8-Gegnern im Vorfeld ihres Protestes erinnert. Bei der Anschuldigung des „Umweltterrorismus“ vermutet Hamm eine Lancierung durch die portugiesische Argrarwirtschaft aus Gründen ihrer starken Konkurrenz mit dem spanischen Nachbarn. Für die Betroffenen bleibe der Weg der Klage.

„In hohem Maße kritikwürdig aus rechtsstaatlichen Gesichtspunkten“ ist die Anschuldigung auch für Wolfgang Kaleck von der Vereinigung Europäischer Demokratischer Anwälte: „Allerdings entspricht das genau unseren Befürchtungen, als sich die EU nach dem 11. September 2001 auf eine gemeinsame Terrorismusdefinition einigte: dass nämlich eine solche Definition zur politisch motivierten Verfolgung unliebsamer sozialer Protestbewegung führt.“

Der ganze Artikel bei Telepolis:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27866/1.html


Aktuelle Informationen zum Genmais-Anbau in Deutschland findet ihr hier:
http://umweltinstitut.org/gentechnik/freisetzungsversuche/genmais_2008-564.html

Die gentechnische Milliprozent-Unterwanderung der weltweiten Landwirtschaft schreitet voran! Unaufhaltsam?
Augen, Ohren und v.a. Mund auf!

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Weltweite Lebensmittelkrise – „Lasst uns am besten in Ruhe…“

24. April 2008 at 07:10 (Medizin & Forschung, Politisches Weltgeschehen, Umwelt & Klima) (, , , , , , , , , , , )

Seit ca. einem Monat weiss auch der Stern- und Bildzeitungsleser: Die Armen hungern! Und das jetzt sogar nicht mehr nur in der Dritten Welt. Die Nahrungsmittel in Entwicklungsländern gehen zu Neige.

Dieser Artikel bringt es auf den Punkt. Würden den raffgierigen Multikonzerne der reichen Länder einfach nur Grenzen geboten, wäre der Welt schon sehr geholfen… Da ihre politischen Handlanger aber natürlich den Teufel tun werden, ihre Nebeneinkünfte zu kürzen, müssen wohl auch weiterhin Kinder an Unterernährung sterben. Statt agrarökonomischen Alternativvorschlägen einiger renommierter Wissenschaftler nachzugehen, werden Handelsbarrieren niedergerissen, gentechnisch veränderte Grundnahrungsmittel (welche zum Teil u.a. ihre Reproduktionsfähigkeit verloren haben) eingeführt und neuerdings Anbauflächen für Biosprit angelegt, um ein paar Milliprozent menschengemachten CO2s aus unserer Atmosphäre zu verbannen.
Wer tankt auch nicht gerne Säuglingsblut?!


Artikel von Gerhard Klas / Telepolis

„Die Gründe der Nahrungsmittelkrise reichen in die Geschichte zurück, trotz Warnungen werden von Weltbank, FAO oder WTO aber keine grundsätzlichen Änderungen erwogen“

In einem Radio-Interview in den USA wurde ich gefragt, was der US-amerikanische Präsident tun könne, um den indischen Bauern zu helfen. Es war eine Life-Sendung und meine Antwort lautete: „Lasst uns am besten in Ruhe.“ Wenn sich Europa und die USA nicht länger bei uns einmischen würden, könnten wir die indische Landwirtschaft wieder so entwickeln, dass sie zu einem Modell würde, zu einem Vorbild für andere. Aber Europa und die USA hindern uns daran: Mit ihrer Handelspolitik, mit ihren Geldgeberorganisationen, mit ihren multinationalen Konzernen und mit ihren Versicherungsgesellschaften.
Devinder Sharma

Der indische Agrarexperte [extern] Devinder Sharma spricht aus, was viele Kleinbauern in den Ländern Afrikas, Asien und Lateinamerikas denken. Dort stellen sie in vielen Ländern noch die Mehrheit der Bevölkerung – so leben etwa mehr als die Hälfte der 1,1 Milliarden Inder noch von der Landwirtschaft. Zum Vergleich: In Europa und den USA sind es noch 3 Prozent. Die Probleme der vielen hundert Millionen Kleinbauern sind auch ein wichtiger Grund für die derzeitige Nahrungsmittelkrise.

Etwa 80 Prozent ihres Einkommens müssen die Armen in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern ausgeben, um ihre alltägliche Nahrung zu bezahlen. Seit Beginn des neuen Jahrhunderts haben sich die Preise für Milchprodukte, pflanzliche Öle und Fette und vor allem für Getreide mehr als verdoppelt. Mit gravierenden Auswirkungen: Viele können sich Grundnahrungsmittel wie Reis, Mais und Weizen nicht mehr leisten.

Galten bisher schon 850 Millionen Menschen weltweit als unterernährt – die letzten Schätzungen der Welternährungsorganisation ([extern] FAO) stammen aus dem Jahr 2005 –, dürfte die Zahl im vergangenen Jahr noch einmal drastisch gestiegen sein. Die Folge davon waren Hungerrevolten in mehr als 30 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Selbst die [extern] Weltbank und der Internationale Währungsfonds warnen deshalb inzwischen vor dem Preisanstieg für Nahrungsmittel. Der Sturz der Regierung in Haiti war das bislang spektakulärste Indiz, das sich aus der weltweiten Nahrungsmittelkrise entwickelt hat. Die Weltbank hat daraufhin ein Hilfspaket über 500 Millionen Dollar vorgeschlagen – ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn ansonsten – daran gibt es keinen Zweifel – soll an der bisherigen Politik festgehalten werden.

Als Ursache für die Ernährungskrise nennen die internationalen Finanzinstitutionen selbst den erhöhten Bedarf an Fleisch- und Milchprodukten in einigen Schwellenländern wie China und Brasilien – und den sogenannten „Biosprit“. So weit, so richtig. Aber es gibt noch andere Gründe, und einige davon reichen weit in die Geschichte zurück. Sie beginnen mit der kolonialen Zurichtung der Wirtschaft vieler Länder des Südens, mit der immer größere Sektoren der dortigen Landwirtschaft gezwungen wurden, sich an der Nachfrage in den Kolonialmächten zu orientieren – und nicht an der ihrer eigenen Bevölkerung.

Als die Kolonien endlich ihre politische Unabhängigkeit erkämpft hatten, sorgten IWF und Weltbank mit ihren Strukturanpassungsprogrammen und internationalen Abkommen dafür, dass die Agrarproduktion dieser Länder mehr und mehr industrialisiert wurde, um sogenannte Cash-Crops für den Export in die Industrienationen anzubauen. Eine Politik, die bis heute euphemistisch als sogenannte „Grüne Revolution“ bezeichnet wird, aber fatale Auswirkungen hat. Zwar gab es vorübergehende Produktivitätssteigerungen, aber der Einsatz importierter Pestizide und Kunstdünger hat die Böden und das Grundwasser nachhaltig verseucht.

Was für die Agrarindustrie in Europa und den USA, aber auch für die Großgrundbesitzer in den betreffenden Ländern zu einem lukrativen Geschäft wurde, entpuppte sich vor allem für die Bauern dort als Bürde: Die ausgelaugten Böden verlangten nach immer mehr Kunstdünger, die mittlerweile resistenten Schädlinge nach immer teureren Pestiziden aus den Labors von Bayer, DuPont, Syngenta und anderen Pharmakonzernen, die mit der Abhängigkeit ihrer Kunden immer größere Profite machten und nebenbei noch Produkte [extern] verkaufen, die hierzulande längst nicht mehr auf dem Markt erhältlich sind. Die Bauern stürzten in eine Schuldenkrise, die bis heute anhält ([local] Neue Hoffnung für Indiens Bauern?). Viele verkauften ihr Land und zogen auf der Suche nach Arbeit in die Slums der Großstädte. Weil sich diese Hoffnung nicht erfüllte, nahm in den 90er Jahren die Zahl der Selbstmorde unter Bauern drastisch zu.

In den letzten Jahren sind auf Betreiben der [extern] Welthandelsorganisation nahezu alle Agrarprodukte zu globalen Waren geworden. Der Handel mit Nahrungsmitteln ist heute weitgehend vom Interesse nach Profitmaximierung bestimmt. Die Verknappung der Agrarprodukte hat die hemmungslose Spekulation weiter verschärft. Aber weder am freien Markt für Lebensmittel, noch an der Produktion des sogenannten Biosprits und der Exportorientierung der Agrarproduktion soll gerüttelt werden. Im Gegenteil: Die Weltbank kritisiert die Regierungen in Indien und China, weil sie wegen der Nahrungsmittelknappheit ein kurzfristiges Exportverbot für Reis verhängten. Auch die Welternährungsorganisation – die einstmals als Stimme der Kleinbauern galt – [extern] setzt inzwischen auf eine weitere Industrialisierung der Landwirtschaft, auf noch mehr Welthandel, auf künstliche Bewässerung und auf neues Saatgut, das in den Labors der Konzerne entwickelt wurde, um damit Gewinne zu machen und die verarmten Bauern in weitere Abhängigkeit zu treiben. Vorstände von Lebensmittelkonzernen wie Peter Brabeck von Nestlé sind der [extern] Ansicht, nur Gentechnik könne heute noch die Welt vor Hunger bewahren.

Am 17.April haben – von den hiesigen Medien nicht wahrgenommen – in Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa viele Kleinbauernorganisationen, Landlose und Nichtregierungsorganisationen gegen diese Politik [extern] demonstriert. Im Aufruf von [extern] La Via Campesina – einer Art internationalem Dachverband der Kleinbauernverbände – heißt es: „Nachdem sie die Kleinbauern enteignet haben, pressen sie jetzt die Konsumenten mit hohen Weltmarktpreisen für Lebensmittel aus“. Das Gegenkonzept heißt „Ernährungssouveränität.“

Jede Region in der Welt soll danach wieder in die Lage versetzt werden, ihre ansässige Bevölkerung gesund und ausreichend mit eigenen Produkten zu ernähren – ohne Giftcocktails und Gentechnik. Ernährungssouveränität, so hieß es in einer gemeinsamen Deklaration zahlreicher Bauernorganisationen, die im vergangenen Jahr auf einem internationalen Forum in Mali verabschiedet wurde (http://www.nyeleni2007.org/?lang=en&lang_fixe=ok), stelle die Menschen, die Lebensmittel erzeugten, verteilten und konsumierten, ins Zentrum der Nahrungsmittelsysteme, nicht anonyme Märkte und die Profitinteressen transnationaler Konzerne.

Mit ihrer Kritik stehen die Kleinbauern nicht alleine: Ende März hat der [extern] Weltagrarrat IAASTD in London einen [extern] Expertise vorgelegt. Darin werden eine schnelle Neuausrichtung der weltweiten Landwirtschaft und eine Begrenzung der Macht der Agrarkonzerne gefordert. Und der französische Agrarwissenschaftler Marcel Mazoyer, Autor des Standardwerkes „Histoires des agricultures du monde“, einer Weltgeschichte der Landwirtschaft, ist sich [extern] sicher, dass heute 10 Milliarden Menschen ernährt werden könnten. Dafür würden die bestehenden Landreserven ausreichen. Sie könnten ohne künstliche Bewässerung und ohne weitere Waldrodung bebaut werden. Sie würden ohne Gentechnik und Pestizide auskommen. Allerdings, so gibt er zu bedenken, gäbe es dann keine Anbauflächen mehr für Energiepflanzen.

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